Design Thinking für FundraiserInnen: Neue Ideen mit Methode

  • 29. August 2018

FundraiserInnen sind natürliche Problemlöser: Sie erkennen was in der Welt nicht richtig läuft und setzen alles daran, eine konkrete Lösung zu finden, die unsere Gesellschaft verbessert und unseren Planeten schont. Organisationen, die auf der Suche nach Ideen „outside the box“ sind, können agile Methoden des Projektmanagements nutzen, um Inspirationen zu sammeln und Veränderungsprozesse einzuleiten. Auf dem langen Weg von der Idee zur Umsetzung und Verwirklichung steht dabei das sogenannte „Design Thinking“ ganz am Anfang.

Bei allem Enthusiasmus für soziale Veränderung kann es vorkommen, dass man im Dickicht der Ideen einen guten Einfall übersieht oder sich an einem Problem die Zähne ausbeißt. Sich auf spontane Inspirationen zu verlassen oder mit den immer gleichen Mitteln gegen Windmühlen anzurennen, kann frustrierend und kontraproduktiv sein. Hier setzt das Design Thinking an: Es strukturiert das Vorgehen bei der Entwicklung von Lösungen und lässt trotzdem genügend Freiraum für Spontanität und kreatives Chaos.

Was verbirgt sich hinter der Methode „Design Thinking“

Design Thinking ist eine der populärsten agilen Methoden und eignet sich vor allem um den Ideenfluss zu Beginn eines Projektes anzuregen, besonders wenn die vorliegenden Ansätze noch sehr unspezifisch und ungeschliffen sind oder die Lösung einer Problemstellung sich als besonders knifflig erweist. Es handelt sich dabei um einen dynamischen und iterativen Prozess mit vielen Feedbackschleifen. Das bedeutet, dass die meisten Vorgänge parallel ablaufen und sich immer wieder gegenseitig beeinflussen. Durch die schrittweise Wiederholung der verschiedenen Abläufe kreist man das Problem langsam ein und nähert sich so der Lösung an.

Beim Design Thinking laufen viele Schritte gleichzeitig ab und stehen miteinander in Wechselwirkung

Im Grunde genommen funktioniert das Verfahren so: Zunächst einmal gilt es zu Verstehen welches Problem besteht und wie es Menschen oder die Umwelt beeinflusst. Hierfür lohnt es sich auch auf den Input der eigenen Community zurückzugreifen und entsprechend konkrete Fragen zu stellen. Anschließend gilt es zu Beobachten, welche Auslöser und Reaktionen zur Entstehung und Aufrechterhaltung des Problems beitragen und wo Veränderungen ansetzen könnten. Nachdem die man die eigene Sichtweise definiert hat, also entscheidet mit welchem Selbstverständnis und mit welcher Motivation man an das Thema herantritt (z.B. aufklärend, protestierend oder aktiv-pragmatisch), gilt es erste Ideen zu finden. Um das Brainstorming anzuleiten, können visuelle Gestaltungsmittel, wie zum Beispiel Grafiken und Mindmaps, extrem hilfreich sein. Dabei gilt: Möglichst viele Ideen werden durchgespielt und mit offenem Blick betrachtet, jeder Gedanke wird wertschätzend einbezogen und berücksichtigt – es gilt den unvoreingenommen „Geist des Anfängers“ zu bewahren. In diesem Schritt werden nach ausführlicher Prüfung aber auch viele Ideen wieder abgelehnt und verworfen. Ausgehend vom kreativen Input werden erste Prototypen entwickelt: Hierbei kann es sich um Apps, Kampagnenseiten, Eventkonzepte, medialen Content und vieles mehr handeln – oftmals lohnt es sich ungewöhnliche Wege zu gehen. Die Prototypen werden in einer sehr frühen und vereinfachten Version konkret umgesetzt und ausführlich getestet. Die Fehler, Erkenntnisse und Erfolge in diesem und jedem anderen Prozesssegment werden direkt rückgemeldet und dazu verwendet, innerhalb der anderen Schritte nachzubessern, neue Ansätze zu kreieren oder bestehende Konzepte zu verbessern.

Bei der konkreten Umsetzung kann es sich empfehlen entweder gemeinsam im Team die Schritte abzuarbeiten, oder für jeden einzelnen Teilbereich Teams und verantwortliche Personen einzusetzen, die den Überblick über ihr Segment behalten und eine reibungslose Kommunikation in Feedbackschleifen sicherstellen. Zudem sollte eine geschulte Führungsperson den Prozess anleiten und die Koordination der verschiedenen Bereiche im Auge behalten.

Design Thinking in der Praxis: Wie können FundraiserInnen es nutzen?

Beim Design Thinking handelt es sich nicht nur um graue Theorie, in zahlreichen Unternehmen weltweit wird die Methode regelmäßig eingesetzt und erzielt immer wieder verlässliche und innovative Ergebnisse.

Der IT-Konzern IBM demonstriert anschaulich, wie mit Hilfe von Design Thinking ganze Marktsegmente umgekrempelt werden können – hier am Beispiel der Digitalisierung eines Gartencenters

Aber nicht nur in der kommerziellen Marktwirtschaft, sondern auch im Bereich des Fundraisings findet die Methode mittlerweile Anwendung. Eine echte Erfolgsgeschichte des Design Thinkings im Nonprofit-Sektor erzählt die Oper in San Francisco: Das ehrwürdige Opernhaus wurde in den 1850ern errichtet und befinden sich seit Jahrzehnten in der Hand der BürgerInnen der Stadt – hier gibt es große Musik, Kultur und Kunst zu erschwinglichen Preisen. Schon lange aber kämpfte die Institution mit rückläufigen Besucherzahlen und gähnend leeren Sälen.

Zwar versuchte sich das Opernhaus mit akribisch geplanten Neuauflagen und Events wieder neu zu erfinden, der Erfolg dieser Aktionen war aber überschaubar. Bis sich zwei StudentInnen der Sache annahmen und mit Design Thinking nach dem Motto „No Risk, No Art“ jeglichen Perfektionismus über Bord warfen und einen echten Neustart schafften.


Spontan und unperfekt: Mit ungewöhnlichen Konzepten können neue Zielgruppen erschlossen und Wünsche aus der Community berücksichtigt werden

In enger Zusammenarbeit mit UnterstützerInnen und anderen InteressentInnen wurden verschiedene Eventreihen protoypisch geplant und direkt durchgeführt, auch wenn Planung und Ablauf der Konzerte und Aufführungen nicht immer ideal verliefen. Durch die hinzugewonnene Spontanität und flexible Anpassung des Kulturprogramms, konnten zahlreiche Besucher wieder in die Oper gelockt werden. Besonders gut kam dabei die Inszenierung „Barely Opera“ an, bei welcher BesucherInnen Kostüme anprobieren und an einem Glücksrad über die Musik bestimmen konnten. Das junge, hippe Publikum zeigte sich begeistert und stand freiwillig stundenlang in der Warteschlange – das SFO gewann somit eine ganz neue Zielgruppe. Der Fortbestand des Opernhauses gilt seitdem als gesichert.

Fazit: Design Thinking ist der erste Schritt in die richtige Richtung

Branchentypisch sind Engagement und Motivation in Non-Profit-Organisationen sehr hoch. Der Glaube an soziale Ideen und Veränderungen, sowie der Wille zur Problemlösung, treiben die MitarbeiterInnen und VolontärInnen täglich an. Die so entstehenden kreativen Energien können mittels Design Thinking in produktive Bahnen gelenkt werden, ohne dass individuelle Freiheit oder ungewöhnliche Ansätze dabei unter den Tisch fallen. Das Instrument eignet sich somit perfekt für FundraiserInnen, die innovative Ansätze für bekannte Probleme entwickeln wollen.

Allerdings stellt dies zunächst nur den ersten Schritt in der Prozessentwicklung dar. Um die weiteren Teilziele zur konkreten Umsetzung zu verwirklichen, können andere agile Methoden wie Scrum oder Design Sprint behilflich sein. Damit geht es auch im nächsten Monat weiter.

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