Spendenaktion: #PuberMe – Peinliche Jugendfotos für Hurrikanopfer

  • 16. Oktober 2017

 

Die Pubertät ist eine seltsame Lebensphase. Während die unterschiedlichsten Hormone durch den Körper schießen, wachsen sämtliche Gliedmaßen in verschiedene Richtungen. Die Stimme entwickelt eine Neigung dazu sich zu überschlagen. Pickel und Mitesser erobern die gefürchtete T-Zone. Obendrein entsteht die Tendenz in Stil- und Modefragen gerne mal ordentlich daneben zu langen. Entsprechende Schul- und Familienfotos, zu denen man als Teenager meist gezwungen wurde, behält man sorgsam unter Verschluss in einer staubigen Kiste in der dunklen Ecke des Dachbodens oder in den Untiefen der Festplatte.

Trotzdem entsteht in Hollywood gerade ein merkwürdiger Trend: SchauspielerInnen, ModeratorInnen und andere Prominente kramen ihre peinlichsten Pubertätsbilder heraus und teilen sie fröhlich auf den sozialen Netzwerken mit der ganzen Welt unter dem Hashtag #PuberMe – und das sogar freiwillig.

Conan O’Brien #PuberMe

https://www.instagram.com/p/BZmzgKglrfT/?taken-by=teamcoco

Talkshow-Moderator Conan O’Brien stellt stolz seine Sommersprossen zur Schau und erreicht damit über 75.000 Menschen.

Wie das den Hurrikanopfern in Puerto Rico hilft und was das Ganze mit Eiscreme zu tun hat, zeigt sich bei der Betrachtung eines echten Meisterstücks des Fundraisings.

Stephen Colberts geschmackvolle Variante des amerikanischen Traums

Verfolgt man die Spur der peinlichen Bilder zurück, führt sie zum US-Moderator Stephen Colbert und seinem Komplizen Nick Kroll. Als der Schauspieler zu Gast in Colberts Sendung war, heckten die beiden spontan einen Plan aus, um den Betroffenen von Hurrikan „Maria“ in Puerto Rico zur Hilfe zu eilen: Für jedes Pubertätsbild das VIPs von sich veröffentlichen, werden 1000$ gespendet. Je komischer die Frisur und je pickeliger das Gesicht, desto besser.

https://www.youtube.com/watch?v=LWraleLxJqI

Talkmaster Stephen Colbert erklärt seinen ausgefallenen Plan

Das Geld hierfür kommt direkt aus Colberts eigener Stiftung, der „AmeriCone Dream Foundation“. Diese finanziert sich auf ungewöhnliche Weise: Der Moderator besitzt eine eigene Geschmacksrichtung bei einem bekannten Eishersteller. Jeder Becher, der sich mit seinem Konterfei verkauft, kommt der Stiftung zugute – und dient nun dazu die Promis zur Veröffentlichung stilbefreiter Bilder zu motivieren.

Quasi über Nacht gewann die Aktion an großer Reichweite in der Berichterstattung und in den sozialen Netzwerken auf der ganzen Welt. Zahlreiche Prominente erklärten sich dazu bereit, ihren Beitrag zu leisten und kramten Bilder heraus, die sie lieber dauerhaft unter Verschluss gehalten hätten.

Reese Witherspoon #PuberMe

https://www.instagram.com/p/BZpSos6hKsm/?taken-by=reesewitherspoon

Bevor Reese Witherspoon ihre Karriere als Schauspielerin und Produzentin startete, hatte sie in der Pubertät wohl mit dicken Brillengläsern zu kämpfen. Das Foto aus ihrer Jugendzeit bringt weitere 1000$ für Hurrikanopfer ein.

Gerade im Hollywood der etilen Reichen und Schönen ist dies durchaus eine Besonderheit. Dennoch bewiesen viele erfolgreiche Menschen Humor und Selbstironie, um den Opfern der verheerenden Stürme in den letzten Wochen zu helfen. Auch nicht-prominente UserInnen folgten dem Trend und teilten Bilder aus Jugendzeiten unter dem Hashtag #PuberMe. Manche davon waren so schauerlich anzusehen, dass Stephen Colbert sie kurzerhand zu Promis erklärte und den gleichwertigen Betrag in den Spendentopf einzahlte.

Meisterstück des Fundraisings: Deshalb war die Kampagne so erfolgreich

Colberts kreative Idee schlug nicht nur große Wellen der Aufmerksamkeit, sondern erbrachte auch einen ansehnlichen Spendenbeitrag. Eine Million US-Dollar kommen den Betroffenen in Puerto Rico nun als schnelle Soforthilfe zugute. Dies ist auch dringend nötig: Hundertausende Menschen sind immer noch ohne Strom und sauberes Wasser, unzählige Häuser wurden zerstört, die BewohnerInnen obdachlos. Das Geld aus der PuberMe-Kampagne kommt sicherlich zum richtigen Zeitpunkt.

Der Erfolg der Kampagne erklärt sich aber nicht nur durch den akuten Notstand der Hurrikanopfer. Aus der Perspektive des Spendenmarketings zeigt sich eine beispiellose Verzahnung verschiedenster Medienkanäle, mit dem Zweck erfolgreiches Fundraising für ein soziales Ziel zu betreiben. Die Originalität der Idee, verknüpft mit dem Grad an Bekanntheit und Beliebtheit des TV-Moderators Colbert, war ausschlaggebend für die Erreichung maximaler Reichweite, nicht zuletzt durch die Sekundärberichterstattung der klassischen Medien im Print- und Rundfunksegment. Durch die erfolgreiche Kooperation mit dem Eisproduzenten war auch der wirtschaftliche Sektor entscheidend involviert und konnte im Rahmen der Corporate Social Responsibility seinen Beitrag leisten.

Für die UserInnen, die der PuberMe-Kampagne in den sozialen Medien zum viralen Durchbruch verhalfen, stellte der unterhaltende Faktor der Promifotos natürlich einen motivierenden Faktor dar, sich für die Aktion aktiv einzusetzen. Für sie machte das Thema „Pubertät“ die Stars auf humorvolle Art und Weise nahbar und menschlich. Gleichzeitig gestalteten sich ausreichend Partizipationsmöglichkeiten: Jeder war eingeladen an der PuberMe-Aktion teilzunehmen, da teilweise auch peinliche Bilder von Nicht-Prominenten gleichwertig honoriert wurden.

Aus dem Erfolg der Kampagne lassen sich also einige Faktoren für erfolgreiches, multimediales Fundraising ableiten:

  • Aktualität und Authentizität der sozialen Idee
  • Originalität der Kampagnenidee
  • Bespielung aller verfügbaren Medienkanäle
  • Möglichkeiten zur Partizipation schaffen
  • Unterhaltungskomponente einbinden

Besonders letzteres Element gestaltet sich nicht immer leicht und sollte mit Vorsicht eingesetzt werden. Der Grat zwischen einem ernsten Thema, oft die Notlage von Menschen, und der nötigen Prise Humor ist sehr schmal und führt schnell zur inszenierten Geschmacklosigkeit. Nicht immer kann der Spagat so gelingen, wie in der Kampagne von Colbert und Kroll. Trifft man jedoch den richtigen Ton, so kann das die Aufmerksamkeit für eine soziale Idee entscheidend voranbringen, ohne die inhaltlichen Ziele in den Hintergrund zu drängen. Den Hurrikanopfern konnte somit schnell und wirkungsvoll geholfen werden, während die Ernsthaftigkeit der Lage nie beschönigt wurde.

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