Die Mitglieder von Organisationen sprühen oftmals vor guten Ideen und Ansätzen, um positive Veränderungen in der Welt zu ermöglichen. Hauptproblem dabei ist aber oft, den Ideenfluss zu bündeln und aus den kreativen Einfällen ein praktikables soziales Geschäftsmodell zu basteln. Hierbei kann die Methode des „Social Business Model Canvas“ von großer Hilfe sein.

Was ist das „Social Business Model Canvas”?

Bei diesem Ansatz handelt es sich um eine Abwandlung einer erprobten Methode zur Entwicklung und Visualisierung eines Geschäftsmodells aus dem Projektmanagement, dem sogenannten „Business Model Canvas“. Dieses Verfahren wurde von den Informatikern Alexander Osterwalder und Yves Pigneur an der Universität Lausanne entwickelt, um Start-Ups dabei zu unterstützen, kommerziell erfolgreiche Geschäftsmodelle zu auf die Beine zu stellen und alle wichtigen Faktoren in die Planungen mit einzubeziehen. Im kommerziellen Sektor wird das Verfahren weltweit in großen Konzernen eingesetzt. Beim „Social Business Model Canvas“ handelt es sich um eine Adaption des Verfahrens für den sozialen Sektor, mit dessen Hilfe Nonprofit-Organisationen Spendenmarketing betreiben und Kampagnenideen planen und umsetzen können.

Wie funktioniert die Methode?

Auf den ersten Blick sieht ein Social Business Model Canvas eher unspektakulär aus: Auf einer vorgedruckten Spreadsheet-Schablone, idealerweise im A3-Format, sind verschiedene Zonen eingezeichnet, welche mit vorgeschriebenen Inhalten gefüllt werden müssen. Die entsprechende Vorlage findet man zum Beispiel hier.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Nun gilt es die einzelnen Segmente der leeren Ideenleinwand mit Leben und Inhalten zu füllen. Wo welche Informationen eingetragen werden sollten, ist genau vorgeschrieben. Im Wesentlichen handelt es sich um 9 Komponenten, die ein Geschäftsmodell oder Projekt im Nonprofit-Sektor erfüllen muss:

1. Stakeholder: Alle Personen oder Organisationen, die eine Schlüsselrolle für das Vorhaben innehaben. Hierzu zählen LieferantInnen, Landesverbände, Medien und vor allem die eigene Community. Welche Ressourcen und Aktivitäten tragen Sie zum Projekt bei?

2. Soziale Innovation: Produkt, Dienstleistung, Idee oder Veränderung, die geschaffen werden soll. Das Vorhaben muss unter Betonung des Innovationsgrades exakt beschrieben werden. Was können wir neu und anders machen, als bisherige Angebote auf dem Markt?

3. Schlüsselressourcen: Die Gesamtheit aller essentiellen Güter, die für die Umsetzung der Idee gebraucht werden. Dazu zählen nicht nur materielle Ressourcen, sondern z.B. auch Wissen, Zeit und die Unterstützung von Freiwilligen aus der eigenen Community.

4. Soziales Problem: Beschreibung des bestehenden sozialen oder ökologischen Problems, welches im Projekt fokussiert werden soll. Dabei ist der social impact, also der soziale Mehrwert, der für die Gesellschaft entsteht, von extremer Bedeutung. Auch der commercial impact, also die Marktleistung, ist wichtig: Welchen (ideellen) Wert vermitteln wir unseren UnterstützerInnen, welche Bedürfnisse erfüllen wir?

5. Kundenbeziehungen: Legt den Umgang mit unterschiedlichen Arten von SpenderInnen und UnterstützerInnen fest. Manche KundInnen wollen engen Kontakt und Kommunikation, anderen genügt es am Ende des Projektes einen Bericht über die Erfolge des Projektes zu erhalten – alle Grundprinzipien der Kundenkommunikation werden an dieser Stelle festgehalten.

6. Kanäle: Definiert über welche medialen Kanäle die Kommunikation nach außen erfolgt. Hierzu zählen sämtliche Werbemaßnahmen, Aktivitäten in den sozialen Medien, Informationen auf der Website, Mailverteiler und der direkte Kontakt mit Stakeholdern und UnterstützerInnen. Beinhaltet auch die geplante Evaluation der Medienstrategie.

7. Kundensegmente: Für wen wird das Projekt durchgeführt, wer sind die wichtigsten Kunden? Hierbei gilt es zu unterscheiden zwischen KundInnen der sozialen Leistung, also den EmpfängerInnen der Hilfsmaßnahmen und Unterstützungen, und den KundInnen der Marktleistung, also den SpenderInnen. Beide Parteien haben unterschiedliche Erwartungen und Hoffnungen an die Umsetzung des Projekts.

8. Kostenstruktur: Alle Kosten, die mit dem Projekt verbunden sind – und wie diese gedeckt werden. Eine Auflistung der teuersten und kosteneffizientesten Maßnahmen darf ebenso wenig fehlen, wie das Aufführen möglicher Fördermaßnahmen, Beihilfen und Spenden.

9. Umsatz und Vergütungsmodell: Eng verwandt mit der Kostenstruktur. Hier wird aufgelistet, welche Verträge geschlossen werden müssen, welche Erträge aus welchen Quellen zu erwarten sind und falls Umsätze generiert werden, wie diese umverteilt und zur Weiterführung des Projekts eingesetzt werden.

Die einzelnen Schritte strukturieren die Denk- und Arbeitsweise beim Entwerfen des Projektes vor. Natürlich ist es auch erlaubt und erwünscht, outside the box zu denken und den Plan bei Bedarf kreativ zu erweitern. Es empfiehlt sich aber zunächst nahe an der Vorlage zu bleiben, alle essentiellen Informationen einzutragen und bei Bedarf mehrfach zu überarbeiten.

Warum ist die Methode besonders nützlich für FundraiserInnen?

Das Social Business Model Canvas eignet sich hervorragend dazu, kreative Ideen zu bündeln und in realisierbare Konzepte zur Umsetzung sozialer Projekte umzuwandeln. Gerade für diejenigen Nonprofit-Organisationen, die mit Hand und Herz bei der Sache sind, aber im Business-Sektor der sozialen Arbeit noch Unsicherheiten aufweisen, können sich an der vorgegebenen Struktur gut orientieren.

Die breite Anwendung der Methode im kommerziellen Sektor zeigt zudem, dass auch erfahrene FundraiserInnen von der schlichten und konkreten Zielstrukturierung des Verfahrens profitieren können. Erfolgsgeschichten aus dem Nonprofit-Sektor finden sich zuhauf: Die Nonprofit-Kreditplattform Kivas erzielte mit Mikro-Darlehen weltweit herausragende Ergebnisse – das Konzept ihres Vorgehens dokumentierte die Organisation ebenfalls in einem Canvas. Anhand des gut durchdachten Businessplans konnte nachhaltige Veränderung bei gleichzeitig langfristig stabilem Wirtschaften der Organisation erst möglich werden. Dank der einfachen Skalierbarkeit des Social Business Model Canvas, können sich aber auch regionale FundraiserInnen anhand solcher Beispiele orientieren und kleine und große Projekte erfolgreich planen und umsetzen.