NGO-Leitfaden für die Verwendung von Instagram

Auf Instagram erreichen Sie viele und vor allem junge Menschen. Wir haben einige Tipps für Ihren Auftritt auf dieser Plattform.

Aus der Omnipräsenz der sozialen Medien sind für Organisationen zahlreiche neue Möglichkeiten entstanden, Beziehungen zu Mitgliedern, Interessenten und Spendern herzustellen und auf lange Sicht beizubehalten. Während der Betrieb einer eigenen Webseite für über 95 % der deutschsprachigen NPOs bereits selbstverständlich ist, wagen viele Organisationen den Schritt hin zu einer Social Media-Präsenz auf Facebook, Twitter oder Instagram nicht. Die Beweggründe hierfür sind zahlreich: Um einen Account zu pflegen, sind sowohl Zeit- als auch Budgetkapazitäten nötig, die in NGOs für gewöhnlich eher knapp bemessen sind. Hinzu kommen Faktoren wie fehlendes Know-how im Online- und Social Media-Bereich oder aber nicht genügend Content im Sinne von Bild-, Text- und Videomaterial. Auf den ersten Blick erscheinen die Gründe plausibel und nachvollziehbar, jedoch lassen Organisationen ohne Social Media-Auftritt wichtige PR- und Marketinginstrumente ungenutzt.

Die gängigsten Social Media-Plattformen dieser Tage sind das soziale Netzwerk Facebook, der Mikroblogging-Dienst Twitter und die Foto-Sharing App Instagram. Insbesondere Letztere zeichnet sich durch eine Qualität aus, die für alle gemeinnützigen Organisationen unabdingbar ist: die Projektion eines positiven Image nach außen. Die Kombination der zweithöchsten Reichweite aller sozialen Plattformen (über 400 Millionen aktive Nutzer) mit einer einfachen und intuitiven Bedienbarkeit hat Instagram zu einem der beliebtesten Instrumente im Kontext des Social Media Marketing werden lassen. Da die Foto-Sharing App im deutschsprachigen Raum bisweilen noch unter dem Radar fliegt, soll im Folgenden anhand mehrerer Best-Practice Beispiele der Branche aufgezeigt werden, welche Faktoren eine erfolgreiche Instagram-Präsenz ausmachen und welche Fehler es zu vermeiden gilt.

Bauen Sie eine persönliche Beziehung zu Ihren Anhängern und Sympathisanten auf

In den vergangenen Jahrzehnten ist ein zunehmender Vertrauensverlust in die klassischen Medien und somit auch in die klassischen Marketingkanäle zu konstatieren. Wie können Ihre NPOs es also schaffen, auch ohne TV-Werbespots oder Briefsendungen ein positives Image zu kreieren und Aufmerksamkeit zu erlangen? Auf Instagram haben Sie die Möglichkeit, eine große Anzahl an Anhängern kostengünstig und vor allem individuell anzusprechen. Die persönliche Note kann ihrem Instagram-Account auf verschiedene Weisen verliehen werden.

1)Sprechen Sie ihre Anhänger in Ihren Posts persönlich an

„WE DID IT!“, postet Amnesty International auf ihrem Instagram-Account. Im Vordergrund steht das „Wir“, das den Anhängern das Gefühl vermittelt, Teil eines großen und erfolgreichen Ganzen zu sein..

2) Erlauben Sie Ihren Followern Einblicke hinter die Kulissen

Die erfolgreichsten Instagram-Accounts erlauben ihren Followern Einblicke in die Geschehnisse hinter den Kulissen der Organisation. Seien es die Vorbereitungen einer Suppenküche oder das Beladen eines LKW mit Hilfsgütern. Ihre Anhänger schätzen Bilder, die sie über herkömmliche Medien nicht zu Gesicht bekommen. Das schafft Transparenz und Authentizität – entscheidende Faktoren, um ein positives Licht auf Ihre Organisation zu werfen.

Content ist King!

Das Potenzial von Instagram liegt für Organisationen im Visual-Storytelling. Im Gegensatz zu Facebook oder Twitter spielen Texte auf Instagram eine eher untergeordnete Rolle, weshalb die Plattform auch ungeeignet für sogenannte Calls-to-Action (konkrete Handlungsaufforderungen innerhalb einer Marketingkampagne) ist. Dreh- und Angelpunkt sind starke, ansprechende Bilder und Videos, die eine Geschichte erzählen, zu Ihrer Organisation oder Kampagne passen und Ihre Botschaft transportieren. Wie sind im gemeinnützen Kontext aussagekräftige Bilder auf Instagram zu definieren?

1) Ihre Bilder zeigen die direkten Auswirkungen Ihres Handelns

Ihre Organisation verfolgt einen bestimmten Zweck. Sie helfen sozial benachteiligten Familien, schützen die Umwelt oder sind im Tierschutz aktiv. Ungeachtet in welchem Bereich Sie sich engagieren, zeigen Sie Ihren Anhängern die direkten Auswirkungen Ihres Handelns wie beispielsweise ein gesäuberter Strand oder das Lächeln eines Kindes.

2) Finden Sie die richtige Balance

Emotionale und aufrüttelnde Aufnahmen sind essenziell. Doch vergessen Sie nicht, auch mal ein fröhliches Bild zu posten oder ein Bild des letzten Sommerfests Ihrer Organisation mit Ihren Anhängern zu teilen.

3) Stellen Sie die Arbeit Ihrer Helferinnen und Helfer in den Vordergrund

Es ist davon auszugehen, dass Helferinnen und Helfer maßgeblich zum Erfolg Ihrer Organisation beitragen. Erkennen Sie die Leistungen Ihrer Freiwilligen an und danken Sie ihnen, indem Sie Bilder ihrer Arbeit posten.

4) Würdigen Sie Ihre Spender

Posten Sie – natürlich nur mit ausdrücklicher Erlaubnis – Bilder von Ihren Spendern. Fügen Sie dem Bild einen kleinen Text an, der beschreibt, warum Ihr Spender Ihre Organisation unterstützt. Das kann weitere Spender, aber auch Freiwillige zu Engagement anregen.

5) Erst Bilder, dann Videos

Die eigentliche Stärke von Instagram liegt in aussagekräftigen Bildern. Als Königsklasse sind hingegen Kurzvideos zu betrachten. Hier gilt allerdings: Gewöhnen Sie sich zunächst daran, regelmäßig (mind. 1x die Woche) ausdrucksstarke Aufnahmen zu posten. An Videos sollten Sie sich erst wagen, wenn Sie mit dem Teilen von Bildern „warm“ geworden sind.

Der heilige Gral des Social Media Marketing: Engagement

Social Media-Plattformen bieten die Möglichkeit zur Zweiwegkommunikation. Dies bedeutet, dass Sie mit Ihren Anhängern auf Augenhöhe kommunizieren können und müssen. Allerdings sind mehr als 80% der Social Media-Nutzer passive Rezipienten von Inhalten, denen es fern liegt, ein Bild zu liken, zu kommentieren oder einen Hashtag Ihrer Organisation zu nutzen. Um die Aufmerksamkeit für Ihre Organisation zu steigern, sollte Ihr Ziel sein, aus den passiven Rezipienten engagierte Anhänger Ihrer Organisation zu formen. Denn engagierte Follower können zum digitalen Sprachrohr Ihrer Organisation werden, indem sie Ihre Botschaften, Werte und Ziele weiter verbreiten.

Wie schaffen Sie es, Ihre Sympathisanten zu engagierten Verfechtern Ihrer Organisation werden zu lassen?

1) Fügen Sie Ihren Posts Statistiken bei

„60 % of childhood deaths in Nepal are due to malnutrition, which is exacerbated by dirty water. We can change that.“, ist die Überschrift der Aufnahme von charitywater. Proaktive und hoffnungsvolle Sprache in Verbindung mit einer aufrüttelnden Statistik ist eine gute Grundlage, um aus reinen Followern engagierte Anhänger zu machen.

2) Verwenden Sie Hashtags – aber gezielt

Setzen Sie Ihre Hashtags strategisch und durchdacht ein. Gewöhnliche Hashtags à la #throwbackthursday dürften Ihre Anhänger eher abschrecken. Verwenden Sie also Hashtags, die für Ihre Organisation, Projekte und Anhänger sprechen und Sinn machen. Vermeiden Sie eine Hashtag-Flut und setzen Sie Ihre Hashtags sparsam ein. Beispielsweise nutzte Unesco den Hashtag #WorldEnvironmentDay, um eine ihrer Veranstaltungen zu bewerben. Auf diese Weise kann die Organisation neue Follower hinzugewinnen und ihre Reichweite erhöhen, wenn Nutzer nach dem entsprechenden Hashtag suchen.

3) Fordern Sie Ihre Nutzer auf, zu liken, zu kommentieren und Bilder mit Hashtags zu versehen

Um das Engagement Ihrer Anhänger zu steigern, können Sie sie auffordern, Beiträge zu teilen oder zu liken. Ebenso kann mit simplen Fragen an Ihre Follower die Interaktion deutlich gesteigert werden. Die höchste Form des Engagements liegt dann vor, wenn Sie Ihre Nutzer bitten, ein eigenes Bild mit dem Hashtag Ihrer Organisation zu posten. Auf diese Weise steigt wiederum Ihre Reichweite und Ihre Anhänger wissen sich als Teil Ihrer Organisation verstanden. Ebenso bietet sich zur Steigerung des Engagements ein Foto-Wettbewerb unter Verwendung eines bestimmten Hashtags an, in dem Ihre Follower eigene Aufnahmen mit Ihrem Hashtag versehen. Die Gewinnerfotos können dann wiederum von Ihrer Organisation geteilt werden.

Fazit

Instagram bietet für Ihre NGO zahlreiche hilfreiche Facetten. Sie sollten Instagram eher als zusätzlichen, ergänzenden Kommunikationskanal betrachten, der eine jüngere Zielgruppe anspricht. Dennoch können Sie mit gutem Content die Bekanntheit und die Aufmerksamkeit Ihrer Organisation stärken. Und ein Imagegewinn ist – wenn Sie sich an den obigen Beispielen orientieren – für Ihre Organisation in greifbarer Nähe.

-Kai Nohe-

Altruja Coach
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