Crowdfunding: Soziale Projekte gemeinschaftlich finanzieren

  • 03. April 2018

Soziale Ideen sind keine lukrativen Investments. In den meisten Fällen werfen sie keine Profite ab und sind somit nicht durch die Kredite von Banken und Investoren finanzierbar. Die Erfolgsmaße in denen die wohltätigen Projekte gemessen werden, bestehen aus Veränderung und Verbesserung der aktuellen Zustände.

Um soziale Ideen zu verwirklichen, ist die Verfügbarkeit finanzieller Mittel trotzdem unabdinglich. Sponsoring mit Unternehmen aus dem kommerziellen Sektor, bringt aber meist einige Probleme mit sich, wie zum Beispiel eine mögliche Einflussnahme auf das Projekt oder eine ideelle Verfälschung der Kampagne durch Werbemaßnahmen. Die grundlegende Finanzierung von Non-Profit-Organisationen gestaltete sich daher meist durch Spendenmarketing, bei dem langfristig private UnterstützerInnen der Organisation gewonnen werden sollen – ein langwieriger und arbeitsintensiver Prozess. Seit einigen Jahren gibt es nun einen neuen Weg, der möglicherweise die Lücke zwischen den beiden herkömmlichen Prozessen schließen könnte: Crowdfunding ermöglicht die Verwirklichung konkreter sozialer Projekte durch das Sammeln von kleinen bis mittleren Summen von vielen motivierten UnterstützerInnen, die an eine Idee glauben.

Das Konzept von Crowdfunding ist genauso genial wie einfach: Viele UnterstützerInnen leisten einen kleinen Beitrag, um ein wichtiges Projekt zu ermöglichen

Plattformen, die diese Schwarmfinanzierung auch für Non-Profit-Organisationen ermöglichen, schießen zahlreich aus dem Boden. Woher die Idee kommt, welche Vor- und Nachteile Crowdfunding mit sich bringt und wie Fundraiser das Konzept praktisch anwenden können, erklären wir in diesem Artikel.

Geschichte des Crowdfundings: Monumente, Musiker und mehr

Die Idee des Crowdfundings ist nicht ganz so neu, wie es den Anschein macht. Schon der Sockel der Freiheitsstatue in New York wurde durch die Spendengabe von über 100.000 BürgerInnen der Stadt ermöglicht. So richtig zündete die Idee aber erst Jahrhunderte später, im Zeitalter des Internets: Der Anstieg von Raubkopien in der Musikbranche führte zur Gründung einer Plattform, auf welcher Fans die Arbeit von KünstlerInnen finanziell unterstützen konnten. Die Hip-Hop-Formation „Public Enemy“ war die erste weithin bekannte Gruppe, die sich somit ein Album finanzieren konnte, viele weitere folgten.

„Don’t make people pay. Let them.“ – Die Musikerin Amanda Palmer erklärt, wie Crowdfunding die Beziehung zwischen Fans und Künstlern verändert. Fundraiser können sich dieses Prinzip ebenfalls zunutze machen

Bald war der Siegeszug des Crowdfundings nicht mehr aufzuhalten und andere Branchen entdeckten das Potential der Gruppenfinanzierung für sich: In Wirtschaft, Kunst, Wissenschaft, Journalismus und nicht zuletzt sozialen Projekten ist die Schwarmfinanzierung heute ein etabliertes Vorgehen. Die Weltbank schätzt, dass bis zum Jahr 2025 das Gesamtvolumen des Crowdfundings auf 95 Milliarden US-Dollar anwachsen könnte.

Vor- und Nachteile: Passt die Finanzierungsmethode zu meinem Projekt?

Bevor man selbst Crowdfunding-Maßnahmen einleitet, sollte man sich kurz die Zeit nehmen um abzuwägen, was die Methode tatsächlich leisten kann und wo die Grenzen liegen. Zur Übersicht der Vor- und Nachteile haben wir eine Liste angelegt:

    PRO
  • Unabhängigkeit von Sponsoren
  • Günstig und unbürokratisch durchführbar
  • Zeitnahe Finanzierung von wichtigen Projekten
  • Hohe Reichweite von Werbemaßnahmen
  • Aufbau einer aktiven Community in einer jungen Zielgruppe
  • Wachsendes Gemeinschaftsgefühl durch gemeinsamen Spendenziel
    CONTRA
  • Erfolg einer Kampagne schwer abschätzbar
  • Verlustrisiko bei Nicht-Erreichen des Spendenziels
  • Langfristige Maßnahmen schwierig
  • Dauerhafter Kampf um Aufmerksamkeit
  • Teils unseriöse Anbieter auf dem Markt

Die Liste ist natürlich bei weitem nicht vollständig, kann jedoch erste Denkanstöße für die Planungsphase geben. Wichtig ist, dass jede Organisation genau abwägt, welche Faktoren für ihr soziales Projekt wichtig sind und diese entsprechend der persönlichen Gewichtung einstuft.

Praktische Anwendung im Fundraising: Das richtige Vorgehen entdecken

Eine ultimative Anleitung für die Gestaltung von Finanzierungskampagnen gibt es nicht. Gerade Einsteiger sollten den Prozess zunächst als Lernerfahrung betrachten. Ständige Nachbesserung und Nutzung des Feedbacks aus der Community sind essentiell für erfolgreiches Crowdfunding.

Wichtig ist vor allem, zuerst ein konkretes Projekt mit festen Zielen zu definieren. Diese sollten genau terminiert sein, inhaltlich ansprechend dargestellt werden und mit einer exakten Summe für die Umsetzung festgeschrieben werden.

Projektfinanzierung

In diesem Projekt soll eine mobile Suppenküche finanziert werden. Die InitiatorInnen geben einen genauen Überblick über den Fortschritt und Terminplan des Vorhabens. (Quelle: Startnext.de)

Anschließend gilt es dann die Werbetrommel für die Idee zu rühren. Das funktioniert am besten über Social Media: Wer hier bereits eine aktive Community aufgebaut hat, kann diese Reichweite nutzen, um das Projekt auf allen Plattformen bekannt zu machen. Die Maßnahmen sollten dabei über den ganzen Zeitraum aufrechterhalten werden, damit die UnterstützerInnen laufende Updates über den Fortschritt bekommen und das Gefühl eines gemeinsamen „Spendenmarathons“ entsteht. Ein laufender Fortschrittbalken oder Spendenbarometer mit dem Gesamtziel sind dabei Standard.

Auch wenn die Kampagne nicht so gut ankommt wie erwünscht: Der Fokus sollte stets optimistisch auf den positiven Aspekten des Verlaufs liegen. Studien zeigen nämlich, dass Menschen auch beim Crowdfunding lieber ein „Gewinnerteam“ unterstützen, also ein Projekt dessen Ziel erreichbar erscheint. Viele Crowdfunding-Kampagnen legen gerade auf der Zielgerade noch einmal entscheidend zu.

Hilfreich ist es außerdem, für Spendenbeiträge gewisse Anreize zu vergeben. Beim sogenannten „Reward-based Crowdfunding“ erhalten UnterstützerInnen kleine Prämien für zuvor definierte Summen. So könnte ein soziales Musikprojekt zum Beispiel ab 50€ eine CD anbieten, ab 150€ einen Pullover mit dem Logo der Organisation und für besonders großzügige Spenden über 1000€ würde eine Privatvorstellung im heimischen Wohnzimmer erfolgen.

Aktuelle Trends: Das passiert zurzeit im Crowdfunding

Nach dem großen Hype der Anfangsphase hat in den letzten Jahren etwas Ernüchterung Einzug gehalten. Zu Hochzeiten des Crowdfundings drängten zu viele halb durchdachte Projekte auf den Markt, die selbst nach erfolgreicher Finanzierung ihre Versprechungen nicht erfüllen konnten. Mittlerweile hat sich die Lage aber wieder stabilisiert und die Schwarmfinanzierung ist Teil der gängigen Fundraising-Praxis geworden. In wohltätigen Organisationen wird übrigens auch häufiger der Begriff „Crowddonation“ verwendet.

Auch im Bereich der Zahlungsabwicklung stehen einige Veränderungen an: Kryptowährungen und Blockchain-Technologie stellen eine neue Möglichkeit dar, Spenden zu sammeln, ohne das Gebühren und Provisionen für Drittanbieter oder Banken anfallen. In Zukunft könnten Organisationen durch Crowdfunding somit noch unabhängiger und demokratischer agieren.

Doch zu guter Letzt muss natürlich gesagt werden, dass Crowdfunding selbstverständlich nicht das Spenden sammeln auf der eigenen Website ersetzt.

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